SEKEM, ÄGYPTEN — ECONOMY OF LOVE
Es beginnt mit Sand.
1977 kauft ein ägyptischer Apotheker ein Stück Wüste nordöstlich von Kairo. Kein Wasser, kein Schatten, keine Erde im landwirtschaftlichen Sinn. Ibrahim Abouleish will dort zeigen, dass sich Wüste in Ackerland verwandeln lässt, wenn man Boden aufbaut statt ihn auszubeuten.
Was daraus wurde, heisst SEKEM. Heute wachsen dort Kräuter, Getreide, Baumwolle und Ölsaaten, dazwischen Bäume, die Schatten und Windschutz geben. Der Boden entstand über Jahrzehnte aus Kompost.
Für uns ist SEKEM kein Lieferant unter vielen. Es ist der Ort, an dem die Saat für zwei unserer Öle beginnt.
02 — Vorher und nachher
Es gibt Fotos vom Anfang: Sand bis zum Horizont, ein paar Pflöcke, Menschen mit Schaufeln. Und es gibt Fotos von heute: Reihen, Grün, Schatten.
Dazwischen liegen fast fünfzig Jahre Arbeit an einer einzigen Frage: Wie entsteht fruchtbarer Boden dort, wo keiner ist? Die Antwort war nie eine Maschine und nie ein Dünger. Sie war Kompost, Wasser mit Mass, Bäume und Geduld.
Dieselbe Frage stellt sich heute weltweit umgekehrt: Wie verhindert man, dass fruchtbarer Boden zu Sand wird.
03 — Mehr als ein Betrieb
Zu SEKEM gehören nicht nur Felder und Verarbeitungsbetriebe, sondern auch eine Schule, eine medizinische Einrichtung und die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.
Das ist keine Wohltätigkeit neben dem Geschäft, sondern Teil desselben Gedankens: Ein Betrieb trägt Verantwortung für die Menschen, die ihn tragen. Für uns ist das vertraut. Auch bei uns in Aathal hängen Produkt, Handwerk und Menschen zusammen; nur sind wir zwanzig und sie mehrere Tausend.
04 — Economy of Love
Economy of Love ist ein Zertifizierungsstandard aus Ägypten. Entwickelt hat ihn die Egyptian Biodynamic Association, akkreditiert ist er beim Center for Organic Agriculture in Egypt.
Der Standard prüft rund zwanzig Grundkriterien in vier Bereichen: Umwelt, Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft. Er verlangt biodynamische Bewirtschaftung, faire Bedingungen über die ganze Wertschöpfungskette und die Messung der Klimawirkung. Die Idee dahinter: Nicht nur der faire Preis soll sichtbar werden, sondern der wahre Preis eines Produkts, inklusive dessen, was sonst niemand bezahlt.
Ehrlich gesagt: Hierzulande kennt dieses Label fast niemand. Wir zeigen es trotzdem, weil dahinter mehr steht als hinter manchem bekannteren Siegel — und weil unsere Leinsaat danach zertifiziert ist.

05 — Die Saat
Unser Leinöl beginnt nicht in der Mühle, sondern beim Saatgut. Wir arbeiten mit einer Leinsorte, die für die Ölqualität entscheidend ist, und mit Saatgut aus dem SEKEM-Umfeld in Ägypten.
Die Leinsaat für unser Öl ist Economy-of-Love-zertifiziert. Klima, Boden und Sorte ergeben zusammen eine Saat, wie wir sie anderswo nicht finden. Das ist der Grund, warum wir den weiten Weg in Kauf nehmen und nicht einfach die nächstgelegene Quelle nehmen.
Beim Schwarzkümmel ist es ähnlich: Ägypten ist für diese Saat kein Zufallsstandort, sondern ihre Heimat.
06 — In Aathal
In unserer Ölmühle im Zürcher Oberland wird die Saat gepresst, unter Ausschluss von Licht und Luft. Das schützt genau die Fettsäuren, wegen denen man Leinöl überhaupt kauft.
Abgefüllt wird in Miron-Violettglas. Das Glas ist teuer und wir halten trotzdem daran fest, weil es Licht abhält, das dem Öl schadet. Aus demselben Grund gibt es das Leinöl in Wochenportionen zu 100 ml, vier Stück ergeben einen Monat. Wer eine grosse Flasche wochenlang offen stehen lässt, hat am Ende ein anderes Öl im Glas als am Anfang.
07 — Die Produkte
Leinöl Demeter im Wochenportionen-Set und in der grösseren Flasche, dazu Schwarzkümmelöl und die Saaten. Alles aus derselben Herkunft, gepresst in Aathal.
08 — Was daraus folgt
Eine Zertifizierung ersetzt keine Beziehung. Aber sie macht überprüfbar, was sonst Behauptung bliebe. Deshalb arbeiten wir mit Demeter, mit Bio und, wo es sie gibt, mit Economy of Love.